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Vom Winde verweht, hätte es heißen können. Denn am Pfingstwochenende herrschten über Deutschland wirklich außergewöhnliche Wetterbedingungen. Der Wind blies kräftig aus Südwest. Am Boden waren es teilweise schon 30 km/h.

In den üblichen Flughöhen von rund tausend Meter über Grund waren es  40-65 km/h aus Südwest. Bei solchen, fast schön stürmischen Windgeschwindigkeiten ist es für ein Segelflugzeug extrem schwer. Die Aufwinde zu finden, ist nicht einfach. Die Thermik ist zerrissen. Das macht das Zentrieren beim Kreisen in der Thermik mit dem leichten Flugzeug zum wilden „Ritt wie auf einem Rodeo Pferd“.

Thomas Mannal (Zang), Wolfgang Gmeiner, Michael Kost und Peter Aigen (Zang) haben deshalb schon am Samstagvormittag beschlossen: „Der Flieger bleibt in der Halle.“

Dennoch, Bernd Schmid hat die Wolken am Himmel über dem Härtsfeld beobachtet und seinen ursächlichen Plan, am Boden zu bleiben, verworfen und seinen Ventus startklar gemacht. Allein schon das Aufbauen der Flugzeuge bei hohen Windgeschwindigkeiten ist eine Herausforderung.

Mit ihm gingen Markus Frank (Bietigheim-Bissingen), Roland Rittner (Heidenheim) und Johannes Böckler (Günz an der Günz) an den Start.

Steffen Schwarzer hatte sich mit seinem WM-Team-Partner Bauder in Donauwörth verabredet, um von dort zu starten. Bei der Segelflug Bundesliga geht es darum, hohe Geschwindigkeiten über dem Boden zu fliegen. Um dies zu erreichen mussten die Piloten erst mal genau gegen den Sturm über die gesamt Schwäbische Alb Richtung Südwesten fliegen. Markus Frank und Bernd Schmid flogen bis weit in den Südschwarzwald. Der gebürtige Giengener der seit vielen Jahren für den LSR-Aalen fliegt hat die Wetterlage richtig vorhergesagt. Die anderen Piloten drehten auf der Höhe von Tuttlingen um. Dann begann für die „Hochgeschwindigkeitsphase“ des Flugs. Mit 40-60 km/h Rückenwind flogen sie entlang der perfekt aufgereihten Wolken über der Alb zurück. Die Thermik unter den Wolkenstraßen war gut. Dabei erzielten sie Rekordgeschwindigkeiten, wie sie so in der Segelflug Bundesliga noch nicht erflogen wurden. In dieser Runde erreichten dies gleich zwei Teams.
Aber, eine Tücke hatte das Wetter auch, denn die gesamte Strecke zwischen Südschwarzwald und dem fränkischen Jura ist bei Schnitten teils jenseits der 150km/h nicht lang genug, um diese komplett im Rückenwind zurück zu legen. So musste auch ein Stück gegen den Wind in die Wertung eingehen. Abhängig vom Startplatz und der Tageszeit sind die gewählten Taktiken natürlich immer angepasst etwas unterschiedlich, aber letztlich zeigen die meisten der Top-Flüge, dass die meisten Kilometer unter Ausnutzung der Reihungen, größtenteils im Geradeausflug, mit Rückenwind zurückgelegt wurden.

Markus Frank ist der Speed-König der Runde 2.

Mit Abstand der Schnellste dabei war Markus Frank. Für den Aalener begannen die 2,5h Wertungszeit im Südschwarzwald. Nach einem nur kurzen Schenkel bis an die westliche Kante des Schwarzwaldes ging es ohne einen einzigen Kreis bis knapp nördlich von Regensburg. Ein Schenkel von knapp 360km mit einem Schnitt von 196km/h! So schnell, dass er die noch bei Regensburg stehenden Schauer erwischte. Die hatten dort die Wolken absinken lassen und auch die Aufwindlinie stand nicht mehr so gleichmäßig wie auf dem Hinflug. Der Kommentar von Markus Frank: "Die Wolken waren schon am Zerlegen und ein bisschen Regen war auch da. Und gegen den Wind musste man ja schon 200 fliegen!“ Da muss auch er mit seiner EB 29, einem der besten Segelflugzeuge der Welt tief herunterfliegen.  Und das kostet Zeit. Aber umso mehr belegt seine Durchschnittsgeschwindigkeit, welche fliegerische Leistung hinter seinem Ergebnis steht.

Ähnlich wie Markus erging es auch Steffen Schwarzer. Der Ebnater war etwas später an fast gleicher Stelle. Auch er musste im Gegenwind kreisen.

Bernd Schmid - dritter im Team der Aalener - kam dort nochmal etwas später an, traf dann offenbar bereits wieder auf deutlich bessere Steigwerte, auch wenn die Wolken-Basis etwas niedriger als weiter westlich war. Im Team waren die drei Piloten des LSR Aalen aber nicht zu toppen.

Mit 410 Punkten holten sie den Rundensieg vor der SFG Donauwörth-Monheim. Stephan Bosch, Robin Neumann und Wolfgang Köckeis durchbrachen mit ihren Flügen ebenfalls noch die 400er-Schallmauer. Schaut man sich ihre Flüge näher an, so sieht man, dass auch bei Ihnen die Ecke bei Regensburg nicht die einfachste gewesen sein dürfte. Rundenplatz 3 erreicht die FLG Blaubeuren (372 Punkte).

30 Vereine starten in der ersten Liga, aber nur wenn das Wetter stimmt. Es wird mit Sicherheit ein spannendes Segelflugjahr für den LSR- Aalen. 

Das Liga-Fieber beim LSR Aalen ist entfacht.