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Der LSR Aalen siegt in Runde 9 und liegt nun in der Gesamtwertung auf Platz 6.

Der Juli 2020 präsentierte sich mit außergewöhnlichen Wetterlagen. Die Segelflieger frohlocken, wenn der Wetterbericht „Hammerwetter“ prognostiziert. Meist versteckt sich hinter diesem Begriff Kaltluft mit Hochdruckeinfluss. Gute Steigwerte in der Thermik mit durchschnittlich 3 Meter pro Sekunde. Quellwolken, der Kenner spricht dann von Cumulusbewölkung. Und einer hohen Wolkenbasis von ca. 1500 Meter über Grund. Streckenflugpiloten stellen schon sehr früh am Morgen ihre Segelflugzeuge an den Start um möglichst früh, bei einsetzender Thermik starten zu können.

Der vergangene Samstag, die 9.Runde in der Segelflug-Bundesliga: Nachdem für den Sonntag die Wetterprognosen nicht gut waren, konnte nur der Samstag für möglichst schnelle Flüge in Frage kommen. Die Wetteraussichten besagten aber keinen richtigen „Hammertag“ voraus. Bernd Schmid, Luftsportring Spitzenpilot und Trainer der Deutschen Frauen- Nationalmannschaft hatte die Damen zum Trainingslager extra nach Elchingen eingeladen. Die ideale Infrastruktur am Flugplatz und die guten thermischen Möglichkeiten auf dem Härtsfeld. Auch die anderen Piloten des LSR-Aalen haben gute Leistungen gezeigt.

Schon früh zeigten sich dann die ersten Quellungen über dem Schwarzwald und der Alb, die dann in einem ersten Schub hochkochten.

Das Wetter an diesem Tag war aber alles andere als homogen. Immer wieder gab es hervorragende Thermik, dann liefen die Wolken wieder auseinander, die Sonneneinstrahlung ließ dadurch nach und die Thermik wurde schwach. Ab späten Nachmittag, erst gegen 17.00 Uhr, wenn normalerweise die beste Thermik vorbei ist und die Piloten im Endanflug auf ihren Heimatflugplatz sind, entwickelte sich genau über der Schwäbischen Alb eine etwa 80 Kilometer lange Wolkenwurst. Wetterexperten und Segelflieger sprechen von einer Konvergenzline. Zwei unterschiedliche Luftmassen prallen aufeinander. Die Luft kann nur nach oben und unten ausweichen. Auf einer Seite dieser „Wolkenwurst“ kann man im Formel-1-Tempo in gerader Linie entlangfliegen. Geschwindigkeiten von über 200km/h sind kein Problem. Eine lange anhaltende Konvergenzlinie, das freut Segelflieger!

Man musste nur zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Erwin Ziegler der an diesem Tag eigentlich in den Schweizer Jura fliegen wollte kam vom Oberen Donautal mit seinem Segelflugzeug tief unter der Wolkenstraße an. Er fand in etwa 500Meter über Grund den Aufwind, der ihm bis unter die Wolkenwurst trug. Auch Steffen Schwarzer hatte an diesem Tag bereits über 700 Kilometer geflogen. Er sah diese Wolke und ist auch noch einmal rund 150 Kilometer Strecke geflogen.

Interessant ist, in welcher Form und vor allem zu welcher Zeit die Reihungen der Alb genutzt wurden. Bernd Schmid als Leiter des Trainingscamps der Damen-Nationalmannschaft konnte sich ebenfalls in die Wertung eintragen. 127 km/h im Durchschnitt.  Insgesamt flog er 1025 Kilometer. Strecken, die inzwischen bei Hammerwetter durchaus möglich sind. Vor einigen Jahren noch Einzelfälle. Insgesamt flogen am vergangenen Samstag 5 Piloten 1000 Kilometer. Darunter vom LSR Mathias Reich. Aus der Nachbarschaft der Neresheimer Gerrit Illenberger. Vom LSR Aalen nutzte auch Johannes Böckler die späte Konvergenz für seine Speed, 130 km/h. Was den absoluten Schnitt angeht, war Erwin Ziegler nicht zu schlagen, der seinen Speed ebenfalls von Aalen aus über der Alb machte und die 149km/h in einen Flug über knapp 1045km einbettete. 

In der Bundesliga zählt die Geschwindigkeit. Es kämpfen 30 Vereine um den Titel. Pro Saison finden insgesamt 19 Wertungsrunden von Ende April bis Ende August statt. In diesem Jahr begann die Bundesliga Saison erst an Pfingsten.

Dokumentiert werden die Flüge über ein GPS-gestütztes Logger-Flugschreibersystem. Das Grundprinzip: Die drei schnellsten Flüge eines Vereins über einen Zeitraum von 150 Minuten gelangen pro Runde in die Wertung. Ziel ist es, an einem Tag mit einem Segelflugzeug so viele Kilometer wie möglich ohne Zwischenlandung und mit einer höchstmöglichen Geschwindigkeit innerhalb der 150 Minuten zurückzulegen. Eine Wertungsgeschwindigkeit von mindesten 40 km/h ist erforderlich, um in die Wertung zu kommen. Im Normalfall werden durchschnittliche Geschwindigkeiten zwischen 80 bis 120 km/h erflogen, an Spitzentagen können es auch in unseren Breiten bis zu 150 km/h sein. Der Verein mit der höchsten Durchschnittsgeschwindigkeit bekommt 20 Punkte, der Zweitplatzierte erhält 19 Punkte usw. Um die Chancengleichheit zu wahren, werden die eingesetzten Flugzeugtypen mit einem höheren Handicap (Index) gewertet, je leistungsfähiger sie von der Gleitzahl her sind.

Der Luftsportring hatte nach dem Samstag unangefochten die Nase in Runde 9 vorne. Immerhin gute 10 Speed-Punkte lagen sie vor Donauwörth, Schwäbisch Gmünd nochmal knapp dahinter. Mit 87 Punkten liegt der Luftsportring Aalen nun auf Platz 6. Die Spitzenplätze haben weiter die FG Wolf Hirth (116 Punkte) und Titelverteidiger Rinteln (144 Punkte) inne.

Die Niedersachsen können 4 Runden vor dem Ende ihren Vorsprung nochmals ausbauen und setzen damit ein klares Zeichen in Richtung Titelgewinn. Aber noch sind 80 Punkte zu vergeben und damit weiter alles offen.

An diesem Wochenende wird Runde 10 ausgetragen, allerdings wird es sicher kein Hammerwetter geben wird. es bleibt also spannend, wer was daraus macht ...

Foto:
Die Perspektive des Piloten (Steffen Schwarzer) unter der Wolkenwurst.
Fliegen entlang einer Konvergenzlinie.